Krebs bleibt Landrat

23. Januar 2012 | Wolfgang Schreier

 

Ulrich Krebs (CDU) ist und bleibt Landrat des Hochtaunuskreises. Der 43-Jährige hat sich bei der Wahl am gestrigen Sonntag mit 63,3 Prozent der Stimmen gegen seinen Grünen-Herausforderer Norman Dießner durchgesetzt. Beherrschendes Thema am Wahlabend war allerdings die geringe Wahlbeteiligung. Nur 45 497 der insgesamt 174 106 Hochtaunusbürger gaben ihr Kreuzchen ab – das entspricht einer extrem geringen Wahlbeteiligung von nur 26,2 Prozent.

Schon als Ulrich Krebs (CDU) gegen 18.20 Uhr in den Raum im Landratsamt kam, in dem sich seine Anhänger zusammengefunden hatten, wollten ihm die ersten Unterstützer gratulieren. Zu diesem Zeitpunkt wehrte der amtierende Landrat noch ab – es waren erst wenige Wahlbezirke ausgezählt. “Noch ist ja nichts entschieden”, sagte der Landrat. Dennoch: Der Trend – Krebs um die 62 und sein Herausforderer Norman Dießner (Grüne) um die 37 Prozent – der sich schon zu diesem Zeitpunkt zeigte, hielt den Abend über an. Der CDU-Fraktionschef im Kreistag, Wehrheims Bürgermeister Gregor Sommer zapfte sich also in Seelenruhe bereits um 18.30 Uhr ein Sieger-Bier. “Das kann man jetzt schon machen”, erklärte er. Schließlich sei man drauf und dran, ein früheres “bayerisches Ergebnis” zu erzielen.

 

Rückenwind

Gegen 19 Uhr war man sich dann sicher, und die ohnehin schon gute Stimmung in den Reihen der Union brach sich ihren Bann. Also trat Krebs gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Daniela Pompe schon einige Minuten und einige Wahlbezirke vor Ende der Auszählung vor seine Unterstützer. Am Ende hatte der Amtsinhaber 63,3 Prozent der Wähler für sich gewonnen. Für Dießner stimmten hingegen 36,7.

“Auf dieses Ergebnis können wir gemeinsam stolz sein. Das gibt Rückenwind für die anstehenden Projekte”, freute sich Krebs, der jetzt sehr gelöst wirkte. Er habe sich vorne eine 6 gewünscht und nun auch erreicht. Das sei eine “solide Grundlage”. Für die kommenden sechs Jahre als Landrat sieht Krebs einen Dreiklang an Arbeit vor sich: Krankenhäuser, Schulen und Verkehrsinfrastruktur – und all das angesichts einer “schwierigen finanziellen Situation”. Dementsprechend stünden auch deutliche Gespräche mit dem Land auf der Agenda. “Wie sich die Kommunen künftig finanzieren sollen, ist ebenfalls eines der wichtigen Themen der nahen Zukunft.”

Krebs machte auch klar, dass er jetzt noch mal verstärkte Anstrengungen unternehmen werde, um den Gordischen Knoten an der PPR-Kreuzung zu zerschlagen. Ein Instrument soll dabei die vom Kreistag beschlossene Verkehrsinfrastruktur-Gesellschaft sein. “Wir werden einen Gesellschaftsvertrag vorlegen, der breit angelegt sein wird, denn es gibt auch noch andere Vorhaben, wo eine solche Gesellschaft Sinn macht.” Er hofft, auf Gespräche mit der Stadt Bad Homburg, bei denen er sowohl für das Thema PPR-Tunnel als auch für die Gesellschaft als solche werben will. “Wir brauchen einfach einen gemeinsamen Schnittpunkt”, so Krebs.

Als die ersten Ergebnisse eintrafen, konnte Dießner ein bisschen Enttäuschung nicht verbergen. Am späteren Abend kommentierte er seine 36,7 Prozent dann als ein “respektables Ergebnis”, zumal der Amtsinhaber immer einen großen Popularitätsvorsprung habe. “Das Ergebnis zeigt, dass wir als Grüne im Hochtaunuskreis einiges bewegt haben.” Doch Dießner gestand auch ein, dass “40 plus schön gewesen” wären. Enttäuscht sei er aber dennoch nicht, auch wenn sein Wunsch ein anderer gewesen sei. “Der Hang der Wähler zur Tradition hat letztlich gesiegt.”

Die Ausgangssituation sei für ihn schwierig gewesen. Da sich die SPD in der Koalition mit der CDU befinde, habe sie sich für den Amtsinhaber ausgesprochen, der zudem auch die Unterstützung der FDP hatte (siehe Text unten). Dennoch bekamen die Grünen wohl auch Stimmen aus anderen Lagern. So hatten sie bei der Kommunalwahl noch 21,3 Prozent eingefahren, das Ergebnis nun liegt deutlich darüber.

 

Lob von Banzer

Anerkennung bekamen beide Kandidaten natürlich zu allererst aus den eigenen Reihen. Ex-Landrat Jürgen Banzer (CDU) wertet das Ergebnis für Krebs als gute Grundlage für die kommende Amtszeit. “Es hat sich gezeigt, dass kein Programmpunkt von Ulrich Krebs auf große Widerstände im Landkreis gestoßen ist”, so Banzer.

Der Bad Homburger OB Michael Korwisi sprach von einem “achtbaren Ergebnis”. Dass Dießner nicht besser abschnitt, führte er auch darauf zurück, dass es im Wahlkampf an Zuspitzung gefehlt habe. Themen wie Finanzen seien dem Bürger schwer zu vermitteln.

SPD-Partei- und Fraktionschef Dr. Stephan Wetzel führte das gute Ergebnis von Krebs auch auf die Unterstützung der SPD zurück. “Die Koalition geht gestärkt aus der Wahl hervor.” Auch sein CDU-Pendant Gregor Sommer ist davon überzeugt, dass die Koalition mit diesem Ergebnis gut weiter arbeiten könne.

 

Von traurig bis beschämend

Dass Wahlergebnisse je nach Lager unterschiedlich interpretiert werden, liegt in der Natur der Sache. Doch in einem Punkt waren sich am Sonntagabend alle einig: Die Wahlbeteiligung von nur 26,2 Prozent wurde querbeet als erschütternd bezeichnet. Die Kommentare reichten von “traurig” (Homburgs Ex-OB Dr. Ursula Jungherr) bis zu “beschämend” (Friedrichsdorfs Erster Stadtrat Norbert Fischer). Und auch Wahlsieger Ulrich Krebs ist der Meinung, dass man dem Grund für den Verdruss nachgehen müsse.

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